Winter’s Bone

Regisseurin Debra Granik

Verpasst habe ich leider den Preisträger des Goldenen Bären, den türkischen Film Bal. Aber es ist schlicht unmöglich, alle Filme zu sehen. Sehr beeindruckend fand ich den Spielfilm „Winter’s Bone“ von Debra Granik. Erzählt wird darin eine Gangstergeschichte. Die siebzehnjährige Ree (kümmert sich allein um ihre beiden jüngeren Geschwister und die psychisch kranke Mutter. Letztere ist nicht mehr fähig Entscheidungen für die Familie zu treffen oder ihre älteste Tochter zu unterstützen.

Ungewöhlich ist für dieses Genre das Millieu. Im US Staat Missouri spielt die Geschichte. Inmitten von kleinen Farmen und einzelnen ärmlichen Gehöften. Die Armut der Menschen ist bedrückend und die Bilder erinnern an Fotografien von Walker Evans, dem großen Fotokünstler, der die Auswirkungen der großen Depression in den USA der 1930er Jahre dokumentiert hat. Die Unterschiede bestehen lediglich aus Autos, die hier und da noch vorhanden sind. Selbst das Pferd der Familie muss mangels Stroh in Pflege gegeben werden. Evans wurde übrigens auch in Missouri geboren.

"Winter's Bone" | © www.berlinale.de

Bereits die Kinder erlernen den Umgang mit Waffen, schon um sich etwas zum Essen erjagen zu können und sind es auch nur ein paar Grauhörnchen. Geschwister und Mutter ernähren sich von Kartoffeln und Fleisch gibt es nur, wenn die hilfsbereiten Nachbarn etwas von ihrer Jagdbeute vorbeibringen. Kleinkriminalität gehört hier zum Überleben dazu und löst keine größeren moralischen Beklemmungen aus.

Der Vater unserer Heldin ist erneut mit seinem Drogenlabor aufgeflogen. Er hat eine Kaution gestellt und hat sich anschließen aus dem Staub gemacht. Nun steht der Sheriff vor dem ärmlichen Haus und erzählt unserer Heldin, der Vater hätte für die Kaution Land und Haus verpfändet. Würde dieser nicht binnen einer Woche zur Gerichtsverhandlung erscheinen, müsse die Familie das Haus verlassen.

Es bleibt Ree also nichts anderes übrig, als die Spur ihres Vaters aufzunehmen. In ihrer Umgebung, beim Onkel und anderen Verwandten, die auch in kriminelle Geschäfte verwickelt sind, stoßen ihre Nachforschungen auf großen Unmut und sie erhält handfeste Drohungen und wird eingeschüchter, mit der Aufforderung, die Nase aus der Sache zu halten.

Debra Granik hat sehr genau beobachtet und recherchiert, ein Teil der Schauspieler entstammt den Verhältnissen des Films, so auch Lauren Sweetser, welche Gail, die beste Freundin von Ree, spielt. Sehr präzise wird die Romanvorlage von Daniel Woodrell nachgezeichnet. Auch komische Elemente gibt es in diesem beklemmenden Film, wenn in einer Schlüsselszene ein Amputat in einer „Have A Nice Day“ Tüte auf den Schreibtisch gelegt wird.

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