Mangroven, Höhlen und James Bond

Heute eine klassische, organisierte Ausflugsfahrt in die Welt pittoresker Tropeninseln, deren Felsen schroff aus dem grünen Meerwasser ragen. Genau genommen ragen sie sogar über das Ufer hinaus und wirken wie aufgepropfte Keile. Der bekannteste ist Khao Tapu, bekannt aus dem Bond Film The Man with the Golden Gun.

Bei solchen Touren ist es üblich, beim Hotel aufgelesen und anschließend auch wieder abgesetzt zu werden. Unser Fahrer erscheint mit dem Minibus eine Viertelstunde zu früh. Wir sitzen noch beim Frühstück, welches im Bhukita aus einem kalten Omlett, einer geteilten Scheibe Kochschinken, zwei kleinen „Wiener“-Würstchen und Toast mit Butter und Konfitüre besteht. Der bisherige kulinarische Tiefpunkt unserer Reise. Der Kaffee ist nahezu ungenießbar und ich steige wieder auf Tee um.

Jedenfalls werden wir aufgelesen und blieben die einzigen beiden Gäste im Minibus. Das freut mich, denn wenn unser Boot ähnlich leer bleibt, dann können wir die Paddeltouren wirklich genießen. Doch am Pier zeigt sich ein völlig anderes Bild.

img_2322_hut.jpg

Alberne Kopfbedeckung aber unverzichtbarer Sonnenschutz

Es warten schon Schaaren von Touristen auf die Tour, für die drei große Schiffe zur Verfügung stehen. Ich habe keine Hut und muss mir ein überteuertes Modell kaufen, das auch noch etwas zu klein ist. Aber bevor ich einen Sonnenstich bekomme…

Wir werden auf ein Schiff gelotst, auf dem sich internationales Publikum befindet. Neben zwei schwulen Franzosen, noch ein trinkfestes, älteres britisches Pärchen, drei junge russische Freundinnen und mehrere hebräisch sprechende Clans. Letztere wollen auch immer zusammen sitzen und reagieren verärgert, wenn sich auf den fünf langen Sitzbänken mal jemand zwischen die Stammesangehörigen setzt.

Die Franzosen haben einen eigenen Guide dabei. Er hat in etwas das Alter, als wenn er schon im Indochinakrieg gekämpft hätte. Sein drahtige Erscheinung und sein sehr gepflegtes Äußeres wird ergänzt von einem perfekten Französisch, in dem er den beiden jungen Männern immer wieder kleine Tipps und Hinweise zu den Sehenwürdigkeiten und Reiseabläufen gibt.

Die Crew ist stimmungsmäßig auf Robinson-Club-Niveau geeicht und auf dem Deck stehen zwei fette Boxen, aus denen wahlweise billiger Scooter-Techno oder Raggae tönt. Als die Fahrt beginnt, scheint die Sonne und alle freuen sich, besonders die, die wegen des Regens am Vortag heute wieder mit dabei sind. Reine Sonnentage sind in der Regenzeit nicht eben häufig.

In der Kajakschlange durch enge Höhlen.

In der Kajakschlange durch enge Höhlen

Die mit dichtem Dschungel überwucherten Inselchen erheben sich aus dem grünen Meer vor uns und sind wirklich wunderschön anzusehen. Das Schiff hält an einer mittelgroßen, die Mangroven Insel genannt wird. Es werden Kajaks zu Wasser gelassen und die Gäste auf diese Kajaks verteilt. Wie alle erhalten auch wir einen persönlichen Paddler, der uns rudert.

Ein Mangrovenwäldchen inmitten in einer Insel

Ein Mangrovenwäldchen inmitten einer Insel

Es geht zunächst durch eine Höhle in den Fels der Insel hinein. Die Höhle ist so eng und die Decke so niedrig, dass wir uns in den Kajak legen müssen, um uns nicht den Kopf an den scharfkantigen Felsen aufzuschlitzen. Gleichzeitig kommen uns andere Kajaks einer anderen Reisegruppe entgegen. Es ist eng, feucht und heiß.

Am Ende des Tunnels, der nur bei Ebbe befahrbar ist, landen wir in einem Hong, einer Art Lagune mitten im Fels der Insel. Von Aussen durch hohe Felsen abgeschirmt. In diesem Hong stehen tatsächlich Mangroven, deren Wurzeln wie Stelzen in das Wasser reichen. Das Wasser trüb und braun, denn die Touristen werden dazu ermunter, ins Wasser zu steigen. So steigen sie denn und stehen zwischen den zwei Duzend Mangroven herum, die sich dafür sicher bedanken werden. Bei dieser Gelegenheit fragt uns unser Paddelbursche, ob meine Reisebegleitung und ich auf Honeymoon seien.

Wie auf einer Perlenschnur geht es wieder hinaus aus dem Hong und zurück auf das Schiff. Dort wartet nun ein sehr schmackhaftes Buffet mit thailändischen Leckereien auf uns. Wir besuchen noch eine Inselgruppe mit dem Kajak bevor sich das Schiff Richtung Khao Phingan in Bewegung setzt.

Hier wurde millionenfach fotografiert: der James Bond Fels

Hier wurde millionenfach fotografiert: der James Bond Fels

Khao Phingan ist die James Bond Insel und selbst jetzt zur Regenzeit, legen die Touristenboote im Minutentakt an. Die Insel ist vollgestopft mit Souvenirläden, aber es gibt auch einen kleinen Wanderpfad. Ich fotografiere noch einen stämmigen russischen Bodyguard mit seiner schmalhüftigen Freundin. Drei junge Russinnen sind auch auf unserem Schiff. 3o Minuten sind wir auf der Insel und ich hatte schon vergessen, beim Ausstieg aus dem Boot kurz ins Wasser getreten zu sein.

Damit war natürlich der Mückenschutz dahin und mein Fuß um 14 Stiche reicher. Der Akku der Digicam ist auch leer und ich kriege gerade noch das obligate Foto vor dem „Nagelberg“ Khao Tapu hin. Zurück auf dem Schiff sind wir während der Rückfahrt doch sehr zufrieden, uns diesen Luxus gegönnt zu haben, denn die Landschaft ist wirklich von einzigartiger Schönheit und man sollte das Land nicht bereisen, ohne dies gesehen zu haben. James Bond Islang muss allerdings nicht zwangsläufig dazu gehören.

Am Abend in Phuket Town geht’s gleich in eine Drogerie, Verbandszeug, Alkohol, Mückenabwehrspray und Mückenstichsalbe besorgen. Beim kleinen Sondierungsspaziergang, mein Reisebegleiter ist durch eine gemeine Druckstelle an der Ferse gehandicaped, machen wir ein Restaurant aus, in dem ein elektrisch beheizter Suppentopf auf jedem Tisch steht. Dazu bestellt sich jeder Gast eine Reihe von Zutaten: verschiedene Gemüse, Pilze, Fleischsorten und Nudeln aller Couleur. Jeder von uns bekommt ein tiefes stabiles Sieb und kann seine Sachen in die kochende Brühe schmeißen und nach Gusto wieder herausfischen. Dazu gibt es jede Menge würziger Saucen, wie allgemein üblich, abgesehen von Touristenrestaurants.

Geselliges Essen um den Kochtopf

Selbstgekochtes auf dem Tisch

Unser Lokal hat eine Temperatur wie im Gefrierschrank. Klar, bei zwanzig dampfenden Kochtöpfen im Raum muss Leistung her! Anfangs schmecken die kurz gekochten Zutaten noch etwas fad, aber mit der Zeit wird die Geschichte immer würziger. Am Ende löffele ich jeden Tropfen aus dem Topf. Wir hatten zwei Säfte und bestimmt zwanzig verschiedene Zutaten. Kosten des Abendessens für zwei: zusammen 15 Euro. Ein gelungener Tag im ansonsten lahmen Phuket Town.

Auf die Cabaret Show im Simons müssen wir verzichten, denn meine Reisekasse gibt das üppige Eintrittsgeld nebst Taxi nicht mehr her und mein Antrag auf Unterstützung aus dem Kultur Fond wurde abgelehnt. Na ja, ich kenn solche Shows ja schon…

Dieser Beitrag wurde unter Reisen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar