Der Nachtbus des Grauens

Unsere Pläne, per Nachtzug nach Surat Thani zu fahren und von dort per Bus bis nach Phuket zu reisen, haben sich schnell zerschlagen. Als wir versuchte haben am Donnerstag im Hauptbahnhof von Bangkok die Zugfahrt für den Sonntag zu buchen, war alles ausverkauft. Lediglich die 4. und damit Holzklasse war noch frei. Aber wer möchte auf dürftig gepolsterten Holzbänken eine lange Nacht verbringen?

Doch der freundliche Guide vom Information Desk führt uns in ein Reisebüro, in dem wir eine Busfahrt buchen können. Die Dame in dem Kühlschrankbüro spricht ausgezeichnet Englisch und ist uns gleich behilflich. Eine Bild wird gezeigt, auf dem luxuriös gepolsterte und breite Sitze mit grellem Pokémon Samtbezug zu sehen sind. Sogar eine hochklappbare Wadenstütze haben die Dinger. Und zu allem Überfluss reserviert sie uns zwei Plätze auf dem Oberdeck ganz vorn. Klar, sind wir dabei und finden das sei am Ende gar komfortabler als 2. Klasse Liegewagen. Wir müssen zwar einmal Umsteigen, aber um das Gepäck brauchen wir uns nicht zu kümmern. Alles würde für uns erledigt, während wir gemütlich Frühstücken gehen könnten.

Zum Trost gibt es für die Rückfahrt nach Bangkok doch noch ein erster Klasse Abteil für uns. Das soll die besondere Erfahrung werden. Es kostet etwas weniger als ein Flug und erspart uns eine Übernachtung.

Als wir uns aber am Sonntagabend am Hauptbahnhof einfinden, müssen wir zunächst etwas warten, die Dame hat keinen Dienst und ein moppeliger Mensch im Studentenalter, der nur mit seinem Notebook beschäftigt ist, vertritt sie. Zur Abfahrtszeit werden wir dann zu einem Bus geführt, der von der Größe durchaus mit dem gezeigten Modell mithalten kann. Ein drahtiger Senior nimmt das Gepäck entgegen, verstaut es und meckert vor sich hin, da ihm wohl mein Alu-XXL-Modell zu groß und zu schwer ist.

Als wir auf dem Oberdeck ankommen, ist die erste Reihe mit einem Reserviertschild abgesperrt. Aber nicht für uns, wie wir meinten, sondern für zwei Damen, die vehementen Protest erheben, als wir uns dazu setzen wollen. Nichts ist mit Reservierung in der ersten Reihe.

Der Bus hat zudem Plastik Bezüge und keine Wadenstützen. Zudem schwirren Millionen von Moskitos darin. Der Bus ist voll mit Travellern, meist jugendlichen Alters und einem Outfit, dass ich in meiner Jugend als Hippie bezeichnet hätte. Der Zug war ja auch deswegen ausgebucht, weil parallel in Krab eine Full Moon Party steigt und alle dorthin fahren müssen. Mir nur noch in Erinnerung, dass es sich dabei um schlimme Drogenevents handeln soll. Vermutlich mit unvermeidlichem Raggae Sound, wie er heutzutage zwangsläufig mit Beachparty assoziiert wird.

Die Pärchen geben ein interessantes Studienfeld ab. Sofern es sich um echte Paare handelt, fallen mir zwei Frauen auf. Eine verwöhnt ihren Typen mit Einreibungen und Rückenmassagen und die andere klebt fortwährend an ihrem Freund, knutschend und küssend. Daneben noch kleiner Frauenreisegruppen, bestens ausgestattet mit Anti-Mücken-Mittel, welches wir im Koffer gelassen hatten, da sich in Bangkok bislang keine gezeigt hatte.

Der Kofferarrangeur ist zu dem Damen auf den Vordersitzen ausserordentlich aufmerksam. Sie erhalten auch zusätzliche Schlafdecken.

IMG 2270 verladebahnhofDie Nacht vergeht sehr zäh. Qualvolle Stunde reiht sich an Stunde und kurz vor unserer Ankunft im Umsteigebusbahnhof ist der Kofferfeldwebel besonders unfreundlich. Er reißt einigen die Decken förmlich weg und stellt den Schlafenden gewaltsam die Rückenlehne hoch.

Um unser Gepäck müssen wir uns selbstverständlich selbst kümmern. Das Loch ist finster, die Klobenutzung kostet. Es gibt teure Sandwiches, die ohne Alternative sind.

Aber auch das geht vorbei und am Morgen brausen wir auf der offenen Ladefläche eines Taxis zum nächsten Transferpunkt.

Wir werden diesmal von einem klimatisierten Minibus gefahren. Der Fahrer kippt sich zwischendrinn kleine Fläschen mit einem landesüblichen Muntermacher hinein. Leider vergisst er das Gepäck auf dem Dach bei einsetzendem Regen mit einer Plane zu schützen. Als wir ihn daran erinnern ist es schon zu spät.

IMG 2274 openairtaxiWir sind ehrlich erschöpft und froh am Mittag in Phuket Town von einem aufmerksamen Burschen in unser Hotel gefahren zu werden, denn man hat uns nicht mal dort abgesetzt. Nie wieder Busreisen in Thailand über eine dortige Agentur buchen!

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Ein Kommentar zu Der Nachtbus des Grauens

  1. Reisebegleitung sagt:

    Hier schreibt wieder einmal die Reisebegleitung:

    Wie so oft hat auch diesmal der obige Kommentator maßlos übertrieben. Aus diesem Anlass möchte hier ein korrigiertes Bild der nächtlichen Busfahrt wiedergeben. Ich war ja von Anfang an sehr skeptisch, als ich hörte, mit dem Bus nachts 12 Stunden zu reisen, ohne geeignete Schlafmöglichkeit. Aber mit dem VIP Bus sollte das ja sooooo angenehm sein ….. und es war ein Albtraum: keine geeignete Schlaffläche, ein Pärchen, das die ganze Zeit lang lautstark den ganzen Bus unterhielt und sogar mein Ohropax nichts mehr half, ein Busfahrer, der plötzlich mitten in der Naht die Musik aufdrehte (von Marschmusik bis Thai-Folklore war alles dabei), und frühmorgens um 3 Uhr hielten wir an einem Vertragspartnerstand der VIP-Busfirma, um dort völlig überteuert, Kekse und Getränke kaufen zu dürfen. Als ich morgens gegen 5 Uhr endlich einschlafen wollte, wurde ich vom Assistenten des Busfahrers unsanft geweckt, der mir einfach die mit Holzwürmern durchtränkte Decke weg riss; aber ich hatte noch Glück, anderen wurde sogar abrupt die Rückenlehne hoch gerissen. Mitten in der Nacht, stockdunkel, mussten dann alle aussteigen und sich in Reihe und Glied anstellen, um Anweisungen von den „Terroristen“ entgegen zu nehmen. Ich dachte schon, unser letztes Stündlein hätte geschlagen, und ich hab schon mein Testament gemacht. Nachdem wir da 2 Stunden lang nichtsahnend und unwissend rumsaßen, wurden wir auf der Hinterfläche eines Traktors zu einem weiteren Vertragspartner mit Essen, Getränke und Toilette wie Schlachtvieh gekarrt, um dort in der Einöde wieder sinnlos rumsitzen zu dürfen, das hat sich dann noch bestimmt zweimal wiederholt und schließlich sind wir mit einem wasserduchlässigen Minibus eingepfercht nach Phuket gefahren und hielten dort im Reisebüro, ich weiß bis heute nicht, was wir überhaupt dort sollten. Irgendwann kamen wir dann sogar dort an, wo wir hinwollten, mein Koffer war trotz des Regens noch trocken geblieben, aber auch nur, weil ich um eine Regenplane gebeten habe. Als ich dann noch in Phuket im Reisebüro eine Ausflugstour zur Insel „James Bond“ buchen wollte, wurde ich unzählige Male von Moskitos und Riesenmutiertenmücken gestochen …… und so ging ein wunderschöner erlebnisreicher aktionsvoller Tag zu Ende, den ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Ich weiß eigentlich gar nicht, was meine Reisebegleitung an dieser Busfahrt auszusetzen hatte …. es hat doch alles wie am Schnürchen geklappt und irgendwie wars auch witzig…. natürlich nur rückblickend betrachtet !!! Zum Glück haben wir auf der Heimreise eine Zugfahrt erster Klasse gebucht :-))))

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