Luxuskaufhaus für Steuersparer

stillcap0010_etisalat.jpgAbu Dhabi Mitten in der Nacht sitzen meine Reisebegleitung und ich auf dem Flughafen in Abu Dhabi. Vor vier Jahren war ich das letzte Mal hier. Ich weiss nicht, wieviele Menschen in die Vereinigten Arabischen Emirate fliegen, um dort Urlaub zu machen.

Mir jedenfalls würde es nicht einfallen. Alles Wüste und die Infrastruktur, das Wasser und was es sonst noch für die Touristen braucht, muss unter Aufwendung von viel fossiler Energie produziert werden. Die Ökobilanz eines Urlaubs in dieser Gegend möchte ich nicht sehen.

Ganz zu schweigen von politischen Vorbehalten, die angeführt werden könnten. Die politischen Systeme der Umgebung können getrost als despotisch bezeichnet werden. Aber immerhin leistet sich das Fürstentum eine eigene Fluglinie und es ist egal, ob diese wirtschaftlich arbeitet. Und meine Reisebegleitung und ich profitieren von diesem Umstand und genießen das köstliche Essen.

Wer in den letzten Jahren mit dem Flugzeug gereist ist, wird beobachtet haben, dass sich Airports mehr und mehr zu Luxuskaufhäusern entwickeln. Eine Entwicklung die voll im Trend liegt, gilt es  doch ein neues Steuersparmodell zu entdecken. Dazu müssen Juweliere keine aufwendigen und teuren Sicherheitsanlagen und -personal installieren und vorhalten. Das übernimmt die Allgemeinheit oder besser gesagt der Zoll. Ein Juwelenraub könnten allenfalls mit einem Besteck aus dem Bistro in der Transitzone durchgeführt werden, dessen Bedrohungspotential keinen Shopverkäufer zur Auf- und Übergabe bewegen wird.

Aber welche Steuern werden nun beim Einkauf in der Freihandelszone gespart? Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Generell sind es Verbrauchssteuern wie, darunter natürlich die Alkohol- und Tabaksteuer, aber auch Luxussteuern.

Nach einem anstrengenden Urlaub befriedigt die Duty Free Warenwunderwelt tiefliegende, emotionale Bedürfnisse

Nach einem anstrengenden Urlaub befriedigt die Duty Free Warenwunderwelt selbst tiefliegende, emotionale Bedürfnisse.

Nun sind die Menschen, welche als potentielle Käufer von Luxusartikeln in Frage kommen, gern und oft mit dem Flugzeug unterwegs. Da bietet es sich natürlich an, ihnen die Wartezeiten mit einem attraktiven Shopping Angebot zu verkürzen. Und dabei können Sie dann noch die eine oder andere Steuer sparen. Je teurer die Produkte, desto lohnender der Einkauf. Vergeblich wird man deshalb darauf warten, dass beispielsweise C&A eine Flughafenboutique eröffnet, um seinen Kunden eine preiswerte Einkaufsgelegenheit zu bieten.

So gleichen sich die Airports der Welt mehr und mehr aneinander an. Ich würde wetten, die Luxusmarken haben mittlerweile mehr Boutiquen auf Flughäfen als in den Metropolen der Welt. Eine Schätzung, wie viele Steuern dadurch den Ländern und damit den weniger begüterten Menschen entgehen, wäre doch sehr interessant. Jedenfalls bin ich einstweilen für die Schließung aller Einkaufssteueroasen auf Flughäfen und damit der Abschaffung vollkommen überflüssiger Steuerprivilegien!

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