Hier wird umgebaut

Vorbei die Zeit des Erstaunens über neue Erscheinungsformen politischer Parteibildung in der Bundesrepublik. Alter Essig in neuen Schläuchen wird künftig nicht mehr Gegenstand eingehender Betrachtungen dieses Blogs sein. Künftig wird der Blick weg von den Nebenschauplätzen hin zum Zentrum gesellschaftlicher Konflikte und politischer Regression wandern.

Binnen weniger Jahre veränderte sich das Gesicht Europas radikal. Die Vision der in Solidarität friedlich vereinigten Nationen gleicher Bürgerinnen und Bürger wurde zur Phrase. Alte Kategorien von Gut und Böse durften unter dem Beifall der Medien Auferstehung feiern. Unter dem Eindruck und der Einsicht des Kriegstraumas beschnittene Macht bricht sich erneut Bahn. Die Kräfte des Friedens, des Respekts, der Würde und der Gleichheit aller Menschen gerieten in die Defensive, wurden Postulat statt Handlungsanleitung.

Die Moral der Menschlichkeit gerät unter die Räder. Abstiegsängste befeuern eine rohe Bürgerlichkeit fern schon der christlichen Nächstenliebe. Das Privileg steht nur noch dann in der Kritik, wenn es keinen Vorteil für den eigenen Bedarf mehr verspricht und der eigene Zutritt zur geschlossenen Gesellschaft verwehrt bleibt.

So schnell sich die Jubiläen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts aneinanderreihen, so schnell verblassen ihre Erfahrungen und Lehren. Oft äußerten Politikerinnen und Politiker in den letzten Monaten, dieses oder jenes befinde sich auf „einem guten Weg“. Doch kaum einer der Wege führt zu seinem verkündeten Ziel. Umkehr und Wandel werden wir nicht erleben, solange wir das Handeln an jene delegieren, denen politischer Interessenausgleich ein Geschäft ist.

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