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	<title>Münchner Nachrichten</title>
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	<description>Informationen, Meinungen und Satire aus Politik und Kultur</description>
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		<title>M&#252;nchner Nachrichten</title>
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	<itunes:summary>Verschiedene Beitr&#228;ge aus dem kulturellen und politischen Leben der Stadt M&#252;nchen.</itunes:summary>
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		<title>Soziale Auskopplung und vertikaler Rassismus</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 22:58:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Arnold Schölzel analysiert in einem bemerkenswerten Artikel den Charakter der gegenwärtigen kapitalistischen Herrschaft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schölzel bezeichnet die permanente soziale Auskopplung als vertikalen Rassismus, in dem die ganze Verachtung der regierenden Clique zum Ausdruck kommt. Online-Artikel auf www.jungewelt.de sind nur eine Zeit lang kostenfrei abrufbar. Deshalb sei der <a title="zum Artikel auf jungewelt.de" href="http://www.jungewelt.de/2010/08-04/011.php" target="_blank">Beitrag</a> dringend zur Lektüre empfohlen.</p>
<blockquote><p>Die Krise der kapitalistischen Wirtschaft nimmt längst Züge einer Depression an. Bislang ist auf der Kapitalseite eine Mischung von klarem Willen, das bisherige Akkumulationssystem beizubehalten, und der Unfähigkeit, es selbst als Ursache der Krise zu analysieren, zu konstatieren. Ein Resultat ist die zunehmende Bereitschaft in Teilen der Bourgeoisie, die bisherige Verfassungs- und Rechtsordnung in Frage zu stellen. Die Ideologie der Ungleichheit liefert dafür notwendige Legitimationen. Neben der Analyse des zeitgenössischen Kapitalismus und seiner Spezifik erhält die Auseinandersetzung mit den Versuchen, Übergänge zu autoritären Herrschaftsformen vorzubereiten, eine neue Bedeutung. Das geistige Arsenal für solche »Evolutionen« der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie wird gefüllt. Die Forderung nach sozialer Gleichheit, nach Einhaltung der juristisch verankerten sozialen Rechte, tangiert aus den genannten Gründen unmittelbar die heutige Eigentumsordnung und deren Absicherung durch die jeweiligen politischen Regime.<br />
<em>Arnold Schölzel, &#8220;Zurück zu Rousseau&#8221; auf jungewelt.de vom 4.8.2010</em></p></blockquote>
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		<item>
		<title>Sparpaket</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jun 2010 17:17:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Sparpaket = Sozialabbau?
Nach dem Wirtschaftswunder kam die Stagnation.
In den 50er, 60er und 70er Jahren konnte in Deutschland aufgrund des Zusammenbruchs nach dem Krieg Deutschland mit Hilfe ausländischen Kapitals wieder aufgebaut werden. Damals schafften die Regierungen gleichzeitig den Sozialstaat.
In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts neigte sich jedoch die Waage. Die Ölkrise zeigte hier erstmals in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sparpaket = Sozialabbau?<br />
Nach dem Wirtschaftswunder kam die Stagnation.</p>
<p>In den 50er, 60er und 70er Jahren konnte in Deutschland aufgrund des Zusammenbruchs nach dem Krieg Deutschland mit Hilfe ausländischen Kapitals wieder aufgebaut werden. Damals schafften die Regierungen gleichzeitig den Sozialstaat.<br />
In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts neigte sich jedoch die Waage. Die Ölkrise zeigte hier erstmals in vollem Umfang wie eng Politik und Wirtschaft zusammen hängen. So wurden Sonntagsfahrverbote verhängt und es kam zu den ersten politischen Reaktionen auf ein wirtschaftliches Missverhältnis.</p>
<p>Mit Beginn der 80er Jahre wurde der Sozialstaat langsam aber sicher wieder demontiert.<br />
Nachdem der Staat nun mehr und mehr die Aufgaben, die er als Sozialstaat übernommen hatte privatisierte, schaffte er sich zwar vorübergehend Kapital, langfristig jedoch gab er alles was ihm finanziellen Spielraum verschaffte in private Hände.</p>
<p>Es heißt immer wieder das Volk könne nicht selbst regieren, es interessiere sich nicht! Tatsache jedoch ist, dass alle einschneidenden Veränderungen, die unsere Demokratie betreffen still und heimlich über die Bühne gehen.<br />
Beispiel:<br />
Nach Einführung der Volksabstimmung wurde 1999 still und heimlich die Volksabstimmung auf Bundesebene abgeschafft. Daraus folgert, das dass einzige Instrument der direkten Mitbestimmung wegfiel.</p>
<p>Der Staat/die Regierung verschuldet sich heute mehr und mehr. Diese Schulden werden auf das Volk übertragen nach dem Motto: Wegen euch müssen wir diese Schulden machen!<br />
Also wen trifft es: Euch!</p>
<p>Der jetzigen Regierung muss man zu Gute halten, dass sie sieht, dass die Schuldenschraube nicht noch fester gezogen werden kann. Aus diesem Grund beschließt sie: Wir müssen sparen. Wer ist wir??<br />
Warum müssen wir als Volk jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen? Diese Krise wurde nicht von uns (dem Volk) ausgelöst. Mit Hartz IV hat man durch die berühmte Agenda 2010 dafür gesorgt, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind mit dem zu Leben, was ihm der „Sozialstaat“ zur Verfügung stellt. Und jetzt das Sparpaket, wen trifft es denn? Die Atomlobby?<br />
Richtig ist, dass die Energiekonzerne mit bis zu 2,6 Milliarden Euro belastet werden, allerdings wird auch hier wieder klar, dass Missinformation Methode hat:<br />
Niemand erwähnt, dass beispielsweise die Kosten für die Lagerung der verbrauchten Brennelemente der Steuerzahler aufkommen muss.<br />
Wir hören von Steuern für diese Konzerne, von umstrittener Technologie und niemand sagt, dass „wenn die Laufzeit beendet ist“ wiederum das Volk die Lasten für Entsorgung und Abbau tragen muss.</p>
<p>Richtig ist auch, dass es eine Steuer die Flüge betreffen geben wird.<br />
Nicht gesagt wird, dass keineswegs die Fluggesellschaften diese Steuern zu zahlen haben, sondern der Fluggast, also wieder das Volk.</p>
<p>Des Weiteren wird überlegt, Menschen, die mit 50 Jahren arbeitslos werden kurzerhand die Bezugsdauer von ALG 1 zu kürzen.<br />
Diese Menschen finden doch heutzutage sowieso keine neue Anstellung. Sie dann auch noch zu strafen, dafür dass sie alt geworden sind ist wohl mehr als bedenklich.</p>
<p>Hartz IV, vom Bundesverfassungsgericht schon mehrfach angemahnt für diverse Ungereimtheiten in der Ausführung, das Instrument , das alle 16 sek. in Deutschland vor einem Gericht angefochten wird, genau dieses Hartz IV soll weiter gekürzt werden.<br />
Reicht es nicht den  Bezieher sogar von politischer Seite zu diskriminieren?<br />
Reicht es nicht diese Menschen zu Tätigkeiten zu zwingen, die letzten Endes sogar Arbeitsplätze vernichten?</p>
<p>Nein, es reicht nicht!<br />
In seiner gütigen Weisheit hat der Staat nun auch noch beschlossen, für die Dauer des Hartz IV Bezuges nicht mehr in die Rentenversicherung einzuzahlen.<br />
Jetzt soll auch noch die Höhe dessen, was der Mensch benötigt, diskutiert werden.<br />
Heizkosten sollen in Zukunft nur noch teilweise getragen werden.</p>
<p>Doch es reicht!</p>
<p>Dieses Sparpaket trifft nicht die Wirtschaft! Und das obwohl Firmen wie Lehman bros., Banken wie die HRE und  Rating- Agenturen diese Krise erst ausgelöst haben. Warum also sollen wir für deren Verschulden „bluten“.</p>
<p>Unser Vorschlag:<br />
1.Gleiche Steuersätze für alle. Der Spitzensteuersatz liegt derzeit bei  42-45 %. Arbeitnehmer zahlen als Nicht verheiratete jedoch bis zu 56 %. Warum?<br />
2.Die Reichensteuer ist völlig vom Tisch,  sie sollte für die Menschen gelten, die  einzig durch ihr Kapital  ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Warum?<br />
3.Subventionsabbau. Seit Jahren ist bekannt, dass Subventionen zum einen nicht dort ankommen, wo sie benötigt werden (Warum erhält die Deutsche Lufthansa Agrarsubventionen?). Zum anderen erhalten Betriebe, die mehrstellige Gewinne trotz Wirtschaftskrise erzielen, weiterhin Subventionen. Warum?<br />
4.Steuergleichberechtigung: Die Industrie in Deutschland wird zum Teil durch Steuerbefreiungen angehalten weiterhin in Deutschland zu produzieren. Warum?</p>
<p>Wir fordern:<br />
Solange wir unser Kapital im eigenen Lande benötigen, können und dürfen wir nicht diese Gelder ins Ausland transferieren.<br />
Schluss mit unrealistischen Gesetzesvorlagen, wir können keine Gesetze in Deutschland machen, die nur weltweit Sinn machen.<br />
Wir haben noch einen Sozialstaat, Schluss mit weiterem Sozialabbau.<br />
Schluss mit weiteren Privatisierungen zum Zwecke des Polit-Renommee. Die Einnahmen die hier verschleudert werden, werden künftige Aufgaben des Staates noch unmöglicher machen. Weg mit Rente ab 67. Wer heute schon mit 50 Jahren seinen Job verliert, weil er zu alt ist, wird sonst auf unabsehbare Zeit zum Sozialfall.<br />
Schluss mit Hartz IV, die Mehrheit derer, die heute Hartz IV beziehen, hat Jahr für Jahr in die Sozialversicherung eingezahlt, nur um jetzt als Bettler dazustehen.</p>
<p>® Holger Plückhahn  Die Linke Kreisverband Fürstenfeldbruck</p>
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		<title>Wider den Stumpfsinn patriarchaler Wasserträger</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 06:20:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[17. Juni]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsidentschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Eckpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesine Schwan]]></category>
		<category><![CDATA[Luc Jochimsen]]></category>
		<category><![CDATA[Margot Käßmann]]></category>
		<category><![CDATA[Sparbeschlüsse]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesen dunklen Tagen der Republik, im Schatten fortschreitender sozialer und wirtschaftlicher Verwerfungen, in einem Moment, da die Bevölkerung dunkel zu ahnen beginnt, dass dieses ehemals abstrakte Gebilde "Finanzkrise" unsere Lebensqualität, unser kulturelles Dasein und unser politisches System zum Zusammenbruch bringen kann, bringen drei Frauen den Menschen in diesem Land Orientierung und mutigen Zuspruch.
Foto: Deutscher Bundestag]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Die  Kraft der Überzeugung blamiert den Opportunismus der Wasserträger</strong></p>
<p>Während sich das politische und journalistische Patriarchat ganz den  machtpolitischen Spielereien ergibt und mit heißem Atem Vorzüge und  unverzeihliche Schwächen des abgetretenen Präsidentendarstellers und  Sparkassendirektors erörtert, wo alle Facetten zweier Nachfolgefiguren  ausgeleuchtet und die jeweiligen Optionen taktisch ausgemessen werden,  sind es Frauen, denen es gelingt, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten  und sich mit Worten an die Bürgerinnen und Bürger zu wenden, die zum  bedrohlichen Zerfall unserer Gesellschaft das Notwendige sagen.</p>
<p><strong>Von der Macht des Wortes<br />
</strong></p>
<p>Am Abend des 7. Juni wendet sich die gefallene Ratspräsidentin der  evangelischen Kirche, Margot Käßmann, auf dem Martin-Luther-Forum in  Gladbeck an die Öffentlichkeit. Tags zuvor kam das Kabinett von  Bundeskanzlerin Angela Merkel aus einer Klausur, um der verunsicherten  Republik seine Maßnahmen und Projektionen in die Zukunft zu  präsentieren. „Solide Staatsfinanzen sind ein Grundpfeiler  christlich-liberaler Politik. Unser Handeln orientiert sich an klaren  Prioritäten.“ sind die beiden Sätze, mit denen den Opfern einer  verantwortungslosen Bankenkamarilla und ihrer politischen Helfer das  soziale Gift per Fünf-Jahres-Plan verabreicht wird. Der Duktus, die  phrasenhaften Appelle, sind die gleichen, mit denen schon Kanzler  Brüning die Weimarer Republik diktaturreif gespart hat.</p>
<blockquote><p>Das deutsche Volk würde sich um jedes Verständnis der  Welt und um jedes Vertrauen bringen, wenn es nicht festhalten würde an  dem Grundsatz einer absoluten, auch unter Opfern durchzuführenden  Sanierung unserer öffentlichen Finanzen. [Rundfunkrede Brünings vom 23.  Juni 1931]</p></blockquote>
<p>Unter der euphemistischen Überschrift „Die Grundpfeiler unserer  Zukunft stärken“ macht Merkel auf acht dürren Seiten unmissverständlich  klar, wem diese Bundesregierung den Krieg erklärt. Es sind weder die  Vermögenden noch die Spitzenverdiener, nicht Banken und Versicherungen  und auch keine Heuschrecken oder andere Spekulanten. Unter wohlfeilen  Lippenbekenntnissen, Unternehmen und Banken an den Kosten der Krise  beteiligen zu wollen, findet sich handgreifliche Belastungen lediglich  in einem ein Haushaltsbereich. 30,2 Milliarden Euro sollen im Sozialetat  gespart werden.</p>
<div id="attachment_1394" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.simeunovic.com/wp-content/uploads/2010/06/kaessmann_wikimedia_kalip78.jpg"><img class="size-full wp-image-1394 " style="margin-right: 5px;" title="kaessmann_wikimedia_kalip78" src="http://www.simeunovic.com/wp-content/uploads/2010/06/kaessmann_wikimedia_kalip78.jpg" alt="" width="250" height="379" /></a><p class="wp-caption-text">Margot Käßmann | Foto: Kalip78, wikimedia</p></div>
<p>Das Sozialrecht wird weiter erodiert und auf die Gewährung eines  Almosens abgemagert. Pflichtleistungen werden künftig zu  Ermessensleistungen heruntergekürzt. Alle SteuerzahlerInnen dürfen  zusammenlegen, damit bestverdienende Mütter sich auch in Zukunft 1.800  Euro beim Staat abholen können, um zu Hause ihre Kinder aufzuziehen.  Alleinerziehende Mütter, die auf die Leistungen von Hartz IV angewiesen  sind, bekommen von Merkel andere Anreize gesetzt. Ihnen werden künftig  300 Euro Elterngeld gestrichen, damit die frisch Entbundenen Anreize zur  Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erhalten.  So geht christlich-liberal.</p>
<p>Kein Wunder also, wenn eine engagierte Christin wie Margot Käßmann  aus ihrer selbst verordneten politischen Enthaltsamkeit ausbricht. &#8220;Du  kannst dich nicht verkriechen&#8221;, lautet ihre Einsicht. „Als ich von der  Streichung erfahren habe, habe ich mich gefragt, ob Hartz-IV-Empfänger  weniger Würde als andere Menschen haben?“ Die Kirche dürfe politisch  sein, müsse ein Wächteramt einnehmen, so die ehemalige Landesbischöfin.  Klare Worte, wie sie dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,  Zollitsch, nicht über die Lippen gehen. Der muss im <a title="Zum  Interview" href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/zollitsch-zum-sparpaket-grundsaetzliche-ablehnung-unverantwortlich;2599070">Handelsblatt</a> zunächst der Notwendigkeit zu sparen beipflichten, bevor er danach  suchen möchte, wie Wohlhabende einen Teil zu den Krisenkosten beisteuern  könnten. Die katholische Kirche geht vollkommen auf, in ihrer Rolle als  moralische Blindfliegerin.</p>
<p><strong>Luc Jochimsen &#8211; Schreckgespenst des biederen Patriarchats</strong></p>
<p>Auf die Dauer gesehen, ist es schon verwunderlich, dass Deutschland  zwar eine Kanzlerin, aber keine Präsidentin hervorgebracht hat. Wenn Sie  ein Indiz benötigen, wie selektiv und tendenziös unsere bürgerliche  Presse mit den aktuellen Kandidaturen für das Präsidentenamt umgeht,  dann achten sie einmal auf die Altersangaben. Bei Wulff oder Gauck  werden Sie kaum jemals hinter dem Namen das Alter des Kandidaten in  Klammern finden. Bei Luc Jochimsen ist es hingegen Standard. Immerhin  muss über diese kleine Altersdiskriminierung klar gemacht werden, dass  Jochimsen ja viel zu alt für den Job ist. Als wenn es bei den  Positionen, die sie vertritt und den Chancen, die sie auf eine  erfolgreiche Wahl hat, auf das Alter ankäme. Vielleicht erinnern Sie  sich an Johannes Rau. Schätzen sie mal, wie alt der war! Als er das Amt  antrat, war er immerhin schon 68. Gutes Rentenalter, selbst in Zeiten  der Verschiebung des Renteneintrittsalters an die Schwelle der  Vergreisung.<br />
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Wie gesagt, bei Jochimsen zählt weniger das Programm, als das Alter.  Insbesondere weil sie für eine differenzierte geschichtliche Betrachtung  der DDR eintritt. Aber wenn das System der Herrschaft derart in eine  Legitimationskrise gerät, wie derzeit, dann sind um Objektivität bemühte  Vergleiche mit einem egalitären Staat nicht gefragt. Kleinbürgerliche  Hütten, wie die des damaligen Staatsratsvorsitzenden, zahlen heute  selbst Parteivorsitzende der Linken aus der Portokasse oder den  Ausgleichsvergütungen für die Tätigkeit als Parteivorstand. In diesem  Zusammenhang erstaunt es freilich, dass eine Bundeskanzlerin, die so  zuverlässig für die Vermögenden und Kasinobetreiber die Drecksarbeit  erledigt, kaum zu den Reichen zählen wird. Unsere sparsame Wahlschwäbin  kann ich mir nur schwer auf einem gut dotierten Aussichtsratsposten  vorstellen.</p>
<p>Wie dem auch sei, die einsame Streiterin für soziale Gerechtigkeit,  Luc Jochimsen, spricht eine einfache Wahrheit aus, wenn sie im Bundestag  sagt:</p>
<blockquote><p>Wie heißt es, wenn es um die Banken geht? Too big to fail  &#8211; zu groß, um sie untergehen zu lassen &#8211; oder, wie es begründet wurde,  die Banken seien systemimmanent. Das war und ist Ihre Wahrheit in der  Krise. Meine Wahrheit, meine Maxime ist eine andere: Ich sehe die  Menschen in unserem Land und sage über jeden Einzelnen: zu wertvoll, um  auf sie oder auf ihn zu verzichten. [Luc Jochimsen vor dem deutschen  Bundestag am 17.6.2010]</p></blockquote>
<p><strong>Großer Auftritt der besseren Präsidentin</strong><br />
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Aber um zu erfahren, was es wirklich bedeutet mit der Kraft des Wortes  und der Überzeugung vor Fehlentwicklungen zu warnen, die Gefahren für  die Demokratie zu erkennen und die richtigen historischen Analogien zu  finden, musste erst die Ex-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan ans  Rednerpult treten. Was sie in ihren ebenso persönlichen, wie klug  analytischen Rede zum Jahrestag des 17. Juni im Bundestag zu sagen  hatte, mochte den selbstgerechten Patriarchen auf den Unions und FDP  Bänken so gar nicht schmecken.</p>
<p>Gesine Schwan spricht von der Hybris der Ideologen, die glaubten den  Weg zur Befreiung der Menschen von Unterdrückung zu kennen und deshalb  unkontrollierte Macht für sich beanspruchten. Es sei die Beseitigung der  letzten Versprechen von Demokratie und Gerechtigkeit gewesen, welche  die Menschen am 17. Juni 1953 auf die Straße getrieben hatte. Aber  Schwan sieht diese Hybris nicht nur bei den Führern der SED.</p>
<blockquote><p>Heute leben wir im vereinigten Deutschland in einem  demokratischen freiheitlichen Rechtsstaat. Freuen wir uns an unserer  Demokratie? Und über die freien Wahlen? Und über die am 17. Juni  ebenfalls unter Lebensrisiken geforderte freie Presse? Würden die  Deutschen heute in Scharen auf die Straße gehen, wenn diese Freiheiten,  sagen wir einmal, vorübergehend ausgesetzt würden, um mit starker Hand,  unbehelligt von streitenden Parteien, Wahlkämpfen und verwirrenden  Medien, erst einmal die Krise zu überwinden und die Wirtschaft und die  öffentlichen Haushalte wieder in Ordnung zu bringen? [Gesine Schwan,  Gedenkrede vor dem deutschen Bundestag am 17.6.2010]</p></blockquote>
<p>Würden sie für die Welt, Zeit, FAZ, Spiegel, Focus oder das  Morgenmagazin auf die Straße gehen? Sicher nicht, eher schon für deren  alleinige Finanzierung aus dem Verkaufspreis. Das wäre der sofortige Tod  dieser Zeitungen. Selbst Morgenmagazin, bei Beckmann, Anne Will, Illner  und ähnlicher Debilenfunk könnte als Pay-TV nicht überleben. Für  Qualitätssendungen wie „Neues aus der Anstalt“ würde ich persönlich  hingegen gern etwas extra zahlen.</p>
<blockquote><p>Zurück in eine Diktatur will heute kaum einer. Aber viele  plagen heftige Zweifel an der Fähigkeit der politischen Demokratie, die  drängenden Probleme zu lösen, etwa Regeln für die globale Wirtschaft zu  etablieren, die die grundlegenden Bedürfnisse der Bürger nach Freiheit  und Sicherheit zu schützen vermögen. Beunruhigen muss überzeugte  Demokraten die Gleichgültigkeit vieler gegenüber Wahlfreiheit und  Wahlen, weil die Parteien sich im Handeln nach der Wahl angeblich doch  nicht voneinander unterschieden und ihre Versprechen nicht einlösten.</p>
<p>Ein Gefühl der Ohnmacht und der Ungerechtigkeit hat sich in unserer  Demokratie ausgebreitet. Umfragen zeigen, dass die Einstellung zur  Demokratie stark von solchen Benachteiligungs- und  Gerechtigkeitsgefühlen abhängt. Und ist es denn noch als gerecht zu  bezeichnen, wenn Milliardenbürgschaften, die wahrscheinlich notwendig  waren, für die Rettung des Bankensystems ausgegeben werden und kurz  danach Banken Milliardengewinne einstreichen, die von eben dieser  Rettung ihrerseits profitiert und von denen viele sich zuvor an der  Gefährdung des Systems beteiligt haben, zum Beispiel durch  unverantwortliche Verbriefungen oder Wetten? Muss die Distanz zu unserer  Demokratie nicht wachsen, wenn sie angesichts von noch mehr Millionären  nach, ja infolge der Krise nicht zur Kasse gebeten werden und umgekehrt  trotz einer drastischen und beschämenden Kinderarmut &#8211; über zwei  Millionen Kinder wachsen in unserem reichen wiedervereinigten  Deutschland armutsgefährdet auf und haben kaum eine reelle Chance auf  angemessene Bildung und auf die Freiheit, ihr Leben selbst in die Hand  zu nehmen -, wenn angesichts dessen bei Familien und  Hartz-IV-Empfängern, viele von ihnen alleinerziehende Mütter, gespart  würde? Wenn die kommunalen Haushalte, die auch durch die Bankenrettung  ausgeblutet sind, ihren Aufgaben gerade gegenüber den Schwächeren in  unserer Gesellschaft nicht mehr nachkommen können? Das wäre eine  Normerhöhung besonderer Art. Um an den 17. Juni 1953 zu erinnern.  [Gesine Schwan, Gedenkrede vor dem deutschen Bundestag am 17.6.2010]</p></blockquote>
<p>Selten wurde uns auf so beeindruckende Weise demonstriert, wie  unzulänglich das derzeitige Personalangebot für das Präsidentenamt ist.  Ein Trost, dass es ein Amt ohne Macht ist, welches allein aus der Kraft  des Wortes lebt und mit dessen Kraftlosigkeit stirbt.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien am 20.6.2010 auf missetaeter.info</em></p>
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		<title>Ungeschnittene Aufnahme von der Mavi Marmara</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jun 2010 06:15:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hotspot]]></category>
		<category><![CDATA[Gaza Freedom Flotilla]]></category>
		<category><![CDATA[Gaza Hilfskonvoi]]></category>
		<category><![CDATA[Ira Lee]]></category>
		<category><![CDATA[Mavi Marmara]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen hat die US-brasilianische Regisseurin Iara Lee die Veröffentlichung ihrer Filmaufnahmen bekannt gegeben. Das Video zeigt den Überfall der israelischen Armee auf die Mavi Marmara des Gaza Freiheits Konvois.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/vwsMJmvS0AY&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/vwsMJmvS0AY&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
Das hier zu sehende Video ist ungeschnitten und wurde unmittelbar vor und während des Überfalls der israelischen Armee auf den Konvoi aufgenommen.</p>
<p>Auf der Pressekonferenz, die auf Einladung der Korrespondenten Vereinigung der Vereinten Nationen stattfand, erklärte die us-brasilianische Regisseurin Ira Lee:</p>
<blockquote><p>Wir begannen zu filmen, von dem Zeitpunkt an als wir an Bord der Mavi  Marmara kamen und während des israelischen Angriffs. Obwohl unsere  ganze Ausrüstung beschlagnahmt wurde, gelang es uns, diese Aufnahmen  herauszuschmuggeln. […] Sehen Sie einen vorbereiteten Hinterhalt oder  sehen Sie einige Passagiere, die die Dinge, die zur Hand sind, nutzen,  um sich vor einem unprovozierten Angriff durch schwer bewaffnete  Kommandos zu schüzen? Entscheiden Sie selbst!</p></blockquote>
<p>Die ungeschnittene Langfassung wie auch eine 15 Minuten Kurzversion können auf dieser <a title="Link zu tc.indymedia.org" href="http://tc.indymedia.org/files/flotilla-footage/index.html" target="_blank">Internetseite</a> heruntergeladen werden.</p>
<p>Hier finden Sie einen <a title="Link zu www.culturesofresistance.org" href="http://www.culturesofresistance.org/press-release-flotilla-footage" target="_blank">Bericht</a> von der Pressekonferenz.</p>
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		<title>Bankentribunal live im Netz</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Apr 2010 17:14:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach einem furiosen Aufschlag am Freitagabend, durch die beiden Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm, folgen heute Anklageerhebung und Beweisaufnahme. Die Übertragungstechnik soll auch verbessert worden sein, nachdem es gestern gelegentlich Probleme mit der Tonqualität gab. Technische Voraussetzung zum Empfang des Livestreams ist ein Flashplayer, wie er von der Firma Adobe kostenlos zum Download angeboten wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.simeunovic.com/wp-content/uploads/2010/04/bankentribunal.jpg"></a><a rel="http://www.attac.de/aktuell/krisen/bankentribunal/mitmachen/livestream/" href="http://www.attac.de/aktuell/krisen/bankentribunal/mitmachen/livestream/" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1355" title="Livestream Bankentribunal Samstag" src="http://www.simeunovic.com/wp-content/uploads/2010/04/bankentribunal_sa.jpg" alt="" width="400" height="320" /></a></p>
<p>Ab Freitag, den 9. April 2010, kann das ganze Wochenende über das Bankentribunal per <a title="Zum Bankentribunal Livestream" href="http://www.attac.de/aktuell/krisen/bankentribunal/mitmachen/livestream/" target="_self">Livestream</a> im Internet verfolgt werden. Technische Voraussetzung hierzu ist ein Flashplayer, wie er von der Firma Adobe kostenlos zum <a title="Player über &quot;Get ADOBE FLASH PLAYER&quot; abrufen" href="http://www.adobe.com/de/" target="_blank">Download</a> angeboten wird.</p>
<h1>Was ist das Bankentribunal?</h1>
<p>[Quelle: www.attac.de/aktuell/krisen/bankentribunal/] Vom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in  Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal  durchführen, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der  Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige  Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll.</p>
<h4><strong>Hintergründe</strong></h4>
<p>Im Herbst 2008 wurde die private Immobilienbank Hypo  Real Estate mit staatlichen Bürgschaften und Kreditzusagen in Höhe von  102 Milliarden Euro vor der Insolvenz gerettet. Im Frühjahr 2009 wurde  die Bank dann verstaatlicht und wird seither mit ständig wachsenden  Eigenkapitalzuschüssen des Bundes in Milliardenhöhe am Leben erhalten,  bisher ca. 10 Mrd. €. Noch ausstehender Kapitalbedarf: ungewiss.</p>
<p>Ebenfalls im Herbst 2008 verabschiedete der  Bundestag im Schnellverfahren das Finanzmarktstabilisierungsgesetz –  entworfen von der privaten Anwaltskanzlei  Freshfield Bruckhaus Deringer  –, das die Einrichtung eines Sonderfonds für Bankenrettungen (SoFFin)  mit einem Budget von 480 Milliarden Euro vorsieht. Dieses Budget – fast  das Doppelte des Bundeshaushaltes – ist der Kontrolle des Parlaments und  der Öffentlichkeit de facto vollständig entzogen.</p>
<p>Sowohl die Größenordnung der Bankenrettungspakete  als auch ihre Intransparenz und Demokratieferne sind in der Geschichte  der Bundesrepublik ohne Beispiel.</p>
<p>Seit Inkrafttreten der Rettungsmaßnahmen hat  außerdem weder eine substantielle Offenlegung der Risiken, die in den  Bilanzen der geretteten Banken versteckt sind, stattgefunden, noch ein  allgemeines Verbot der Finanzpraktiken, die in die Krise geführt haben.  Einer neue Blase und neuen Krisen wird nicht vorgebeugt, die Banken  können weiterhin hochriskante Geschäfte tätigen und davon ausgehen, dass  sie beim Absturz mit Steuergeldern aufgefangen werden.</p>
<p>Abzusehen ist außerdem, dass die Kosten der Krise  langfristig der Allgemeinheit aufgebürdet werden – in Form von massivem  Stellenabbau, Sozialkürzungen und weiterer Privatisierung öffentlichen  Eigentums. Die Bankenrettungen folgen damit der Logik, die privaten  Gewinne aus dem globalen Spielcasino unangetastet zu lassen und die  Verluste zu vergesellschaften. Sie stellen in ihrer intransparenten Form  eine radikale Aushöhlung demokratischer Prinzipien dar und gefährden  das öffentliche Wohl.</p>
<p>Bisher hat weder eine angemessene öffentliche  Aufarbeitung dieser Vorgänge noch eine ernsthafte Diskussion über  grundlegende Veränderungen des Finanzsystems stattgefunden. Auch der  Bundestagsuntersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate ist seiner Aufgabe  nur sehr unzureichend gerecht geworden. Das Finanzwesen ist zu  „business as usual“ übergegangen, die nächste Krise kommt mit  Sicherheit.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund hat es sich Attac zur Aufgabe  gemacht, ein Tribunal ins Leben zu rufen, das Aufklärung schaffen und  Alternativen entwickeln soll.</p>
<h4><strong>Form des Tribunals</strong></h4>
<p>Das Tribunal wird am Freitag Abend (9.4.) mit einer  Eröffnungsrede von Albrecht Müller, einer Lesung der Volksbühne zum  Thema Banken und Beiträgen der Kabarettisten Urban Priol und Georg  Schramm beginnen.</p>
<p>Das eigentliche Tribunal wird am Samstag, dem 10.4.,  stattfinden, beginnend am Morgen mit der Anklageerhebung. Es folgen  mehrere Blöcke der Beweisaufnahme und am Abend die Schlussplädoyers. Die  Urteilsverkündung wird am Sonntag Vormittag stattfinden. Im Anschluss  ist ein „Forum der Alternativen“ geplant, in dem konkrete Vorschläge zur  Transformation des Finanzsektors diskutiert und Perspektiven zur  Weiterarbeit entwickelt werden.</p>
<p>Die Reden von Anklägern, Zeugen und Verteidigern  werden aufgelockert durch kurze Videobeiträge, die in pointierter Form  anschaulich komplexe Zusammenhänge darstellen. Auch eine partizipative  Phase in kleineren Gruppen ist geplant. Als Zeugen treten authentisch  Journalisten, Gutachter, Banker, NGO-Vertreter etc. und Betroffene der  Krisenfolgen auf. Als Richter werden prominente Intellektuelle und  Vertreter einer kritischen Zivilgesellschaft fungieren.</p>
<p>Angeklagt werden sowohl politische  Entscheidungsträger als auch Bank-Manager – und nicht zuletzt Komplizen  aus Bankenaufsicht, Wirtschaftsprüfungsunternehmen und Rating-Agenturen.</p>
<p>Da wir damit rechnen müssen, dass viele der  Angeklagten nicht erscheinen, werden Verteidiger an ihrer statt  sprechen.</p>
<p>Dem Tribunal geht es nicht in erster Linie darum,  individuelle Schuldige dingfest zu machen oder gar Sündenböcke ins  Rampenlicht zu stellen, sondern darum, die systemischen Ursachen der  Krise einem breiten Publikum in spannender Form anschaulich zu machen  und zu weitergehenden Fragen und Einmischungen anzuregen.</p>
<h4><strong>Die Beweisaufnahmen</strong></h4>
<p>Drei Beweisaufnahmen werden im Zentrum des Tribunals  stehen. Jeder Beweisaufnahme wird ein Anklägerteam zugeordnet.<strong><br />
</strong></p>
<h3><strong>1. Vorbereitung der Krise und Aushöhlung  der Demokratie</strong></h3>
<ul>
<li>Förderung eines krisenverursachenden  Systems durch eine Politik der Deregulierung, der Umverteilung von  unten nach oben und der Privatisierung</li>
<li>Erpressung des Staates  und der Gesellschaft („too-big-to-fail“-System)</li>
<li>Entmachtung des  Bundestages (SoFFin-Gesetz) und organisierte Geheimhaltung und  Täuschung  von Bundestag und Öffentlichkeit</li>
<li>Bankenrettungen auf  Kosten der Steuerzahler unter Schonung der Banken/Gläubiger</li>
</ul>
<h3><strong>2. Zerstörung der ökonomischen  Lebensgrundlagen in Nord und Süd </strong></h3>
<p>Anhörungen zu den Schattenseiten des gegenwärtigen  Weltfinanzsystems und den Folgen der Krise</p>
<ul>
<li>Verschuldung und  Privatisierungsdruck</li>
<li>Gesundheit und Rente</li>
<li>Arbeit</li>
<li>Globaler  Süden</li>
<li>Ökologie</li>
<li>Demokratie</li>
</ul>
<h3><strong>3. Verschärfung der Krise</strong></h3>
<ul>
<li>Kein  Verbot risikoreicher Finanzpraktiken und Finanzinstitutionen</li>
<li>Banken  und Großkonzerne gegen Regulierungen</li>
<li>Verschärfung der  strukturellen Ursachen der Krise</li>
</ul>
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